Die Verlängerung bis 2027 gilt nur für Privat-PCs
Im Juni 2026 sorgte eine Nachricht von Microsoft für kurzzeitige Erleichterung in vielen Büros. Das Unternehmen hat die kostenlose Privat-ESU still bis zum 12. Oktober 2027 verlängert. Viele Geschäftsführer haben diese Information gelesen und fühlen sich deshalb nun sicher. Sie glauben, dass ihre Firmen-PCs automatisch geschützt bleiben.
Allerdings gibt es hier eine entscheidende Einschränkung. Das Privatprogramm ist für kommerzielle Szenarien ausdrücklich ausgeschlossen. Konkret bedeutet das, dass Geräte in einer Active-Directory-Domäne oder mit einem Microsoft-Entra-Join nicht teilnehmen dürfen. Zudem sind PCs in einer MDM-Verwaltung oder Kiosk-Geräte von dieser kostenlosen Option ausgeschlossen.
In der Praxis stehen Firmen-PCs fast immer in einer Domäne, nutzen einen Entra-Join oder befinden sich in einer MDM-Verwaltung. Diese Strukturen ermöglichen erst die zentrale Anmeldung, die Durchsetzung von Richtlinien und die effiziente Verwaltung durch den IT-Dienstleister. Erlaubt wäre für das Privatprogramm lediglich der Status "Entra-registriert". Da dies im professionellen Betrieb die absolute Ausnahme ist, scheiden die meisten Firmen-PCs aus.
Für kleine und mittelständische Unternehmen läuft das erste ESU-Jahr daher planmäßig am 13. Oktober 2026 aus. Wer im Betrieb einen einzelnen nicht verwalteten PC privat einschreibt, bewegt sich außerhalb der Lizenzbedingungen. In der Praxis führt dies zu rechtlichen Risiken bei der Softwarenutzung. Deshalb müssen kleine und mittlere Unternehmen eine eigene Strategie wählen.
Was Windows 10 ESU für Unternehmen kostet
Die Extended Security Updates für Firmen sind kostenpflichtig und folgen einer Preisstaffel. Im ersten Jahr kostet die Lizenz 61 US-Dollar je Gerät. Danach verdoppelt sich der Preis jedes Jahr, sodass das zweite Jahr 122 US-Dollar und das dritte Jahr 244 US-Dollar kosten. Insgesamt belaufen sich die Kosten über die maximale Laufzeit von drei Jahren auf 427 US-Dollar pro Gerät.
Ein wichtiger Punkt ist die kumulative Abrechnung. Wer erst im zweiten Jahr einsteigt, muss das erste Jahr zwingend mitbezahlen. Zudem gibt es keine Teiljahre, denn Microsoft verkauft die Lizenzen nur für volle Jahre. In Deutschland liegt der Preis für das zweite ESU-Jahr bei Händlern derzeit bei rund 115 bis 120 Euro netto je Gerät.
Die ESU liefert allerdings nur kritische und wichtige Sicherheitsupdates. Ihr bekommt keine neuen Funktionen und keine Fehlerbehebungen außerhalb der Sicherheit. Zudem gibt es keinen technischen Support von Microsoft für diese Version. Voraussetzung für die Nutzung ist zudem die Installation der Windows 10 Version 22H2.
Kostenlos bleibt ESU nur in speziellen Cloud-Szenarien. Das gilt für Windows-10-VMs in Windows 365, Azure Virtual Desktop und Azure. Ebenfalls kostenfrei sind PCs, die mit einer aktiven Windows-365-Lizenz auf einen Cloud-PC zugreifen. Unterm Strich ist ESU für wenige Geräte als Brücke bezahlbar, für den ganzen Betrieb über drei Jahre ist es jedoch teurer als ein Hardware-Ersatz.
Warum ein Viertel der PCs in Deutschland noch auf Windows 10 läuft
Die Zahlen von StatCounter aus dem August 2026 zeigen eine interessante Entwicklung. In Deutschland liefen zu diesem Zeitpunkt 25,15 Prozent aller Windows-Systeme auf Windows 10. Im Juli lag dieser Wert noch bei 21,5 Prozent. Im Gegensatz dazu sank der Anteil von Windows 11 von 76,3 Prozent im Juli auf 72,6 Prozent im August.
Die Gründe dafür liegen oft in der Hardware. Die Mindestvoraussetzungen für Windows 11 sind strenger als früher. Konkret benötigt ihr TPM 2.0, Secure Boot und einen 64-Bit-Prozessor, der grob ab dem Baujahr 2018 stammt. Zudem sind 4 GB RAM und 64 GB Speicher erforderlich. Viele ältere Geräte erfüllen diese Kriterien schlichtweg nicht.
Darüber hinaus gibt es oft fachliche Hürden in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Viele Fachanwendungen oder Maschinensteuerungen haben keine Freigabe für das neue Betriebssystem. Oft herrscht zudem die Haltung vor, dass die alten Systeme ja noch einwandfrei laufen. Schließlich besitzen viele kleine und mittlere Unternehmen keine aktuelle Inventarliste ihrer Hardware.
Was ohne Updates wirklich passiert
Firmen-PCs ohne ESU bekommen bereits seit dem 14. Oktober 2025 keine Sicherheitsupdates mehr. Wer das erste ESU-Jahr gekauft hat, steht hingegen ab dem 14. Oktober 2026 ohne Schutz da, sofern das zweite Jahr nicht bestellt wurde. Jede neu entdeckte Lücke im System bleibt daher dauerhaft offen. Das Sicherheitsrisiko erhöht sich dadurch spürbar.
Ein Angreifer sucht zunächst automatisiert nach genau solchen verwundbaren Systemen im Netz. Sobald er eine Lücke findet, dringt er über einen einzelnen alten PC in das gesamte Firmennetzwerk ein. Anschließend breitet er sich auf weiteren Servern und Stationen aus. Schließlich verschlüsselt er eure Daten und fordert für die Freigabe eine hohe Summe Geld.
Zwar bekommen Microsoft 365 Apps auf Windows 10 noch bis zum 10. Oktober 2028 Sicherheitsupdates. Allerdings schützt das nur die Office-Programme selbst. Das darunterliegende Betriebssystem bleibt dennoch verwundbar. Ein sicheres Office auf einem unsicheren Windows ist in der Praxis kaum sinnvoll.
Dies hat zudem direkte Folgen für eure Versicherungen und Kunden. Cyberversicherungen verlangen in ihren Fragebögen oft den Nachweis über unterstützte Systeme. Auch der Datenschutz fordert den Stand der Technik. Bei Kunden-Audits kann ein veraltetes Betriebssystem daher zum Problem werden. Ohne eine bewusste Entscheidung entscheidet am Ende einfach der Kalender.
Die vier Wege: Upgrade, Neukauf, ESU oder Cloud-PC
Ihr habt nun vier Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen. Zunächst solltet ihr prüfen, ob ein kostenloses Upgrade auf Windows 11 möglich ist. Dies gilt für alle Geräte, welche die Hardware-Voraussetzungen erfüllen. Die Prüfung muss dabei für jedes Gerät einzeln erfolgen.
Wenn die Hardware zu alt ist, ist der Neukauf die nachhaltigste Lösung. Ein neues Business-Notebook kostet nach unseren Erfahrungswerten rund 800 bis 1.300 Euro netto. Damit habt ihr dann wieder für etwa fünf Jahre Ruhe. Alternativ dient die ESU als bezahlte Brücke für maximal drei Jahre. Dies ist sinnvoll für Geräte, die aus fachlichen Gründen auf Windows 10 bleiben müssen.
Der vierte Weg ist der Windows 365 Cloud-PC. Hier nutzt ihr Windows 11 aus der Cloud, während der alte PC nur als Zugang dient. In diesem Fall bekommt der lokale PC die ESU inklusive. Zusammengefasst stehen euch diese Optionen zur Verfügung:
- Kostenloses Upgrade auf Windows 11 bei tauglicher Hardware.
- Neukauf von Business-Hardware für langfristige Sicherheit.
- Kauf von ESU-Lizenzen als zeitliche Überbrückung.
- Umstieg auf Windows 365 Cloud-PCs.
Wir empfehlen euch, pro Gerät individuell zu entscheiden. Eine pauschale Lösung für den gesamten Betrieb ist meist nicht wirtschaftlich.
Die Entscheidung pro Gerät hängt von verschiedenen Kriterien ab. Zunächst prüft ihr das Alter und die Windows-11-Tauglichkeit der Hardware. Zudem spielt die Freigabe der installierten Fachanwendung eine zentrale Rolle. Schließlich berücksichtigt ihr die Anzahl der betroffenen Geräte und euer aktuelles Budgetjahr.
Drei Betriebe aus dem Rheinland
1. Der Handwerksbetrieb (12 Mitarbeiter, Langenfeld): Der Betrieb nutzt acht Büro-PCs aus den Jahren 2017 bis 2019. Fünf davon sind Windows-11-tauglich und wurden per kostenlosem Upgrade umgestellt. Drei Geräte sind zu alt für das neue System. Die Entscheidung fiel darauf, diese drei Geräte im Budget 2027 zu ersetzen. Bis dahin nutzen sie ESU für das zweite Jahr als Brücke, was rund 350 Euro netto für drei Geräte kostet.
2. Die Steuerkanzlei (25 Arbeitsplätze, Köln): Hier ist die Hardware durchweg tauglich für Windows 11. Allerdings bekam die benötigte Fachsoftware die Freigabe des Herstellers erst im Frühjahr. Die Kanzlei führte die Umstellung deshalb in drei Wellen außerhalb der Fristzeit durch. Vorher erfolgten Backups und Tests an zwei Arbeitsplätzen. ESU war in diesem Fall nicht nötig.
3. Der Produktionsbetrieb (40 Mitarbeiter, Hagen): In diesem Betrieb gibt es zwei Maschinen-PCs, für die der Hersteller Windows 11 nicht freigibt. Die Entscheidung war hier die Nutzung von ESU für maximal drei Jahre. Zusätzlich wurden die PCs in ein eigenes Netzsegment ohne Internetzugang verschoben. Die normalen Büro-PCs wurden hingegen komplett getauscht.
Am selben Tag endet Office 2021, im Januar folgt Windows Server 2016
Ihr solltet beachten, dass nicht nur Windows 10 betroffen ist. Am 13. Oktober 2026 endet auch der Support für Office 2021 und Office LTSC 2021. Das gilt ebenso für Visio LTSC 2021 und Project LTSC 2021. Für diese Produkte gibt es keine ESU-Option. Als Ersatz dienen hier Microsoft 365 Apps oder Office LTSC 2024.
Das Support-Ende von Office 2021 bedeutet konkret, dass Outlook, Word und Excel keine Sicherheitsupdates mehr erhalten. Dadurch werden diese Programme anfällig für Angriffe. In der Praxis steigen viele kleine und mittlere Unternehmen auf Microsoft 365 Apps um. Der Vorteil ist, dass die Lizenz dann laufend aktuell bleibt.
Kurz darauf folgt ein weiteres wichtiges Datum. Der erweiterte Support für Windows Server 2016 endet am 12. Januar 2027. Wer seine Systeme jetzt ohnehin inventarisiert, sollte beide Themen gleichzeitig angehen. So vermeidet ihr, dass ihr in wenigen Monaten erneut in die Planung einsteigen müsst.
So geht ihr die nächsten vier Wochen an
Um die Fristen sicher einzuhalten, empfehlen wir einen strukturierten Fahrplan. Zunächst erstellt ihr ein vollständiges Inventar aller Geräte inklusive Windows-Version und Baujahr. Anschließend prüft ihr die Windows-11-Tauglichkeit für jedes einzelne Gerät. Parallel dazu solltet ihr die Fachanwendungen beim Hersteller auf eine Windows-11-Freigabe prüfen.
Danach legt ihr für jedes Gerät einen der vier beschriebenen Wege fest. Falls ihr ESU benötigt, bestellt die Lizenzen für das zweite Jahr rechtzeitig über euren Partner. Plant zudem die Ersatzgeräte bereits jetzt für das Budget 2027 ein. Ganz wichtig ist zudem ein aktuelles Backup vor jedem Upgrade-Versuch.
Die Schritte im Überblick:
- Inventarliste erstellen (Version und Baujahr).
- Hardware-Prüfung und Software-Freigaben klären.
- Strategie pro Gerät festlegen und Budget planen.
- Lizenzen bestellen und Backups sichern.
Wenn ihr nicht wisst, wo ihr aktuell steht, hilft euch unser kostenloser IT-Betreuungs-Check weiter. Wer seine Geräte tauschen möchte, findet unter IT-Arbeitsplätze Köln den genauen Ablauf. Weiterführende Informationen zu diesem Thema findet ihr auch in unserem Artikel über technische Schulden.
Bis zum 13. Oktober 2026 bleiben nur wenige Wochen. Letztlich entscheidet der Kalender, ob eure Systeme geschützt bleiben.
